Mutterpower

Meinen heutigen Blogpost widme ich anlässlich des Muttertags meinem Mami. Ich sehe sie heute nicht, weil sie ihren Dudelsack geschultert einen Auftritt irgendwo im Baselbiet absolviert, das verrückte Huhn.

Letztes Wochenende war ich ganz in Rennpferd-Manier für zwei Volksläufe angemeldet.


Am Samstag für die SOLA-Stafette in Zürich  für die kurze Teilstrecke 7 über 4.6 km und am Sonntag für den ersten Basler Frauenlauf über 10.7 km. Im Hinblick auf mein ambitioniertes Halbmarathon-Ziel von 2 Stunden habe ich in den letzten paar Wochen das von mir bisher immer ignorierte Intervall-Training in meinen Trainingsplan eingebaut. An den Läufen vom letzten Wochenende wollte ich eigentlich voll auf Geschwindigkeit laufen, um mal zu sehen, wo ich tempomässig so stehe. An der SOLA-Stafette ging der Plan auf und ich war guten Mutes für den Frauenlauf. Bis zu einer SMS meiner Mutter, mit der Frage “Laufen wir zusammen?”.

Meine Mutter ist fit, läuft seit etwa einem Jahr mehr oder wenig regelmässig auch Strecken bis zu 10km und trainiert seit kurzem zusätzlich mit einem Personal Trainer. Aber einen Pace unter 6 Minuten habe ich ihr doch nicht zugetraut. Also habe ich in meiner Antwort-SMS mal nach ihrer aktuellen 10km-Zeit gefragt. 1 Stunde 14 Minuten. Ich habe die Matur mit einer knappen 3 in Mathe abgeschlossen, aber hier musste ich den Pace nicht ausrechnen. Nix mit unter 6 Minuten.

Ich habe also mein Bündel Laufklamotten gepackt und bin nach Basel zur Startnummernausgabe gefahren. Natürlich habe ich meinem Mami zugesagt, dass wir zusammen laufen. Natürlich habe ich sie wegen des “langsamen” Tempos auch ein bisschen getriezt. Aber ich weiss, dass bei einem ersten solchen Lauf sehr hilft, wenn man sich an jemandem orientieren kann. Einerseits läuft man weniger Gefahr den typischen Anfängerfehler zu machen und sich die ersten Kilometer völlig auszupowern, um dann die zweite Hälfte kriechend zu Ende zu laufen. Andererseits motiviert es auch, einen gewissen Pace zu halten und nicht aufzugeben.

Am Sonntag sind wir also mit dem offiziellen Basler Frauenlauf Shirt als pinkes Doppelpack auf die Piste.

BaslerFrauenlauf

Der Lauf war gut organisiert, die Strecke schön und es hat grossen Spass gemacht, als persönlicher “Pacemaker” in einem für mich gemütlichen Tempo zu laufen. Am Ende sind wir nach 1 Stunde und 11 Minuten ins Ziel gekommen und hatten uns unser Erdinger alkoholfrei redlich verdient.

ZielFrauenlauf

Grosses Kompliment an mein Mami, welche als Dritte ihrer Altersklasse über die Ziellinie lief. Wenn ich in 21 Jahren auch noch so fit unterwegs bin, bin ich sehr glücklich.

Jetzt hat der Lauf sogar so viel Spass gemacht, dass ich mich frage, ob ich nicht auch den Halbmarathon auf Genuss statt Tempo ausrichten soll. Wie Anna Achilles in einem schönen Blogbeitrag ausführte: Gelassenheit kommt von lassen…. Ich habe mich noch nicht definitiv entschieden. Am 11. Juni laufe ich den Frauenlauf in Bern und am 25. Juni jenen in Winterthur und dann schaue ich weiter.

 

Neue Ziele, neuer Blog*

Nach einer längeren Blogger – Sinnkrise habe ich auch dank einem Modul mit Renato Mitra bei Somexcloud wieder Lust, regelmässig zu bloggen. Seit ein paar Wochen setze ich mich intensiv mit Fitnessthemen auseinander und führe jetzt auf meinem neuen Blog Happy Run Lucky Buch über zwei mir anfangs Jahr gesetzte Ziele: 10kg leichter werden und einen Halbmarathon in 2 Stunden zu laufen. Diese Ziele habe ich mir in dem Moment gesetzt, als mir bewusst wurde, dass mein Alter und Jahrgang exakt mit meiner Kleidergrösse und meinem Gewicht korrelieren. Details verrate ich jetzt nicht, aber ich bin Ü-40. Rätselrechnen kann wer mag nun selber. Ich kann und will das fortlaufende Altern (brrr schreckliches Wort) nicht aufhalten, aber bei Kleidergrösse und Gewicht möchte ich den Aufwärtstrend doch gerne versuchen umzukehren. 

Ich bin auf gutem Weg und heute sind es noch genau 4 Monate bis zu meinem Halbmarathon am 13. August in Dublin. Ich habe schon 1 Marathon und 3 Halbmarathons hinter mir. Dieser ist aber der erste, bei dem ich mich  “seriös” auf den Lauf vorbereite, mit seriös meine ich mit Laufplan, Trainieren mit Pulsmessung und Krafttraining. Im Moment trainiere ich 5 Tage die Woche. Warum? Weil ich wissen will, ob ich meine Ziele erreichen kann und weil mir die körperliche “Arbeit” Spass macht. Als Futter für das Hirn habe ich die regelmässige Lektüre von Foodblogs und Klatschmagazinen mit Lesen von Fitnessblogs und -websites ergänzt. Achim Achilles, Runner’s World, Being Fit is Fun, Carson Clay Calhoun auf Instagram und Laufkater gehören zu meinen Favoriten. Mein Lieblingsblogbeitrag des Monats April ist allerdings ein ironisch-witziges Anti-Fitness-Manifest von Reda El Arbi im Stadtblog des Tagesanzeigers mit dem Titel “Fitness Nein Danke“. Lachmuskeln sind ja schliesslich auch Muskeln, die trainiert sein wollen. Der Autor setzt sich im Beitrag mit dem sich in seinem Umfeld stattfindenden Fitnesswahn auseinander und kommt zum Schluss, dass der “Körperverbesserungswahn” eine “verzweifelte Sisyphosarbeit, ohne Aussicht auf Sieg” sei und man sich doch gescheiter “in die Sonne legen, die Gischt der Ewigkeit über sich hinwegspülen lassen und in die Sonne blinzeln” solle, “bis der Ozean der Zeit den Körper wieder einfordert, den man vom materiellen Universum ausgeborgt hat”. Als ehemalige Literatur- und Linguistikstudentin verneige ich mich vor solch elegant eloquenten Satzkonstruktionen. Inhaltlich ist der Blogartikel natürlich nicht voll Ernst zu nehmen. Besonders lachen musste ich über die Behauptung des Autors, Frauen Ü-35 arbeiteten (ja, es ist schon Arbeit) nur an ihrer Fitness zwecks (aussichtsloser) Verbesserung der “optischen Beschlafbarkeit”. Mich nimmt Wunder, an welchen Frauen der Autor sich hier orientiert hat. Meine Fitnessziele werden auf alle Fälle nicht vom Wunsch der Verbesserung meiner optischen Beschlafbarkeit getrieben. Ich habe pragmatischere Gründe, zum Beispiel würde ich gerne die Michelin-Männchen-Bauchringe eliminieren, um wieder in das im Moment nur rumhängende Drittel Kleider zu passen. Und überhaupt, soweit ich mich erinnern kann, trägt ein erhöhtes Fitnesslevel auch zur Verbesserung der Beschlafbarkeit im Hinblick auf Ausdauer und Körperflexibilität bei. Wenn man mal über das optische hinausdenkt, meine ich. Nach der heutigen Trainingseinheit sehe ich aber durchaus Konfliktpotential zwischen optischer und tatsächlicher Beschlafbarkeit. Ich sage nur Adduktoren-Training. Überhaupt drehen sich nach den Trainingseinheiten meine Gedanken primär um Schlaf und nicht Beischlaf. Aber das würde Reda El Arbis Theorie in die Hände spielen. Also den Hinweis gleich wieder vergessen! 

Jedem Tierchen sein Pläsierchen, wie man so schön sagt. Auch ich bin einer Runde Faulenzen nicht abgeneigt. Nebst meiner Teilzeitstelle und meinen zwei kleinen Kinder suche ich im Training trotz aller Anstrengungen Entspannung und Neudeutsch “Me-Time”, bei der ich voll abschalten kann. Beim Laufen fröhnt mein Hirn zudem gerne kreativen Gedankengängen, die schon zu konkreten Lösungen juristischer Probleme, Aha-Erlebnissen oder jüngst Ideen für ein Buchprojekt geführt haben.

In diesem Sinne: frohes Training oder Faulenzen, was auch immer Euch Erfüllung bringt!

* Ja, bewusst Maskulinum. “Das Blog” mag ich nicht. Punkt.